Anleitung: Anhängerkupplung nachrüsten beim BMW 7er e65

„Man wächst mit seinen Aufgaben!“ sagte mal ein Verkäufer einer gebrauchten und nach Benzin riechenden Standheizung zu mir, nachdem ich ihm zuvor gestand, dass ich so etwas noch nie eingebaut hatte und ich nicht weiß, was genau mich da erwarten sollte.

An den Einbau hatte ich mich damals nicht getraut (wer weiß, ob das nicht auch gut so war und der Bus sonst ausgebrannt irgendwo in Schweden stehen würde), das neuste Vorhaben im KFZ-Bereich hat mich aber wieder an den Typen von damals denken lassen. Dieses Mal sollte es an das Nachrüsten einer Anhängerkupplung für den BMW gehen. Das geht auf drei verschiedene Arten: Man geht zu BMW, gibt denen das Auto und 2000 Euro und bekommt ein ausgeklügeltes Anhängesystem mit Schlingererkennung, PDC-Abschaltung und Garantie. Oder man geht zu einer freien Werkstatt, gibt denen zwischen 500 und 1000 Euro, hat ein nicht ganz so ausgeklügeltes System, aber wenigstens Garantie. Oder man geht ins Internet, kauft sich die Wunschteile, nimmt sich einen Nachmittag im späten Oktober Zeit und hat Angst vor Kratzern, Angst vor Defekten am elektrischen System, dreckige und blutende Hände, aber das unbezahlbare Gefühl, das Ganze selbst gemacht zu haben und zu allem Überfluss auch keine Fehler eingebaut zu haben. Keine Frage, wie ich ich mich entschieden habe.. (gut, und die Tatsache, dass alles in allem dann auch noch deutlich weniger kostet, spielt natürlich auch eine Rolle).

Preislich gehen die Anhängerkupplungen bei rund 180€ los und enden bei rund 350€. Die günstigste Variante ist die mit starrem Kugelkopf. Ich wollte das Aussehen des Wagens nicht verändern und deshalb eine Anhängerkupplung mit abnehmbaren Kugelkopf. Hier gibt es zwei Varianten, eine, die von hinten gesteckt ist und eine, die von unten gesteckt wird. Die von hinten gesteckte sieht man wohl auch dann, wenn der Kugelkopf nicht montiert ist. Wen das nicht stört, der kann zu dieser günstigeren Variante greifen. Mich hätte es gestört :)

starrer Kugelkopf von hinten gesteckt von unten gesteckt

Zusätzlich benötigt man noch einen E-Satz, den es von ~30€ (Ebay, nicht fahrzeugspezifisch) bis 179€ (Jäger, soll wohl mit der beste E-Satz sein, da er für den e65 konfektioniert ist) gibt:

– UPDATE 2016: Da die ursprünglichen Kupplungen nicht mehr lieferbar sind, braucht man keinen zusätzlichen E-Satz. Einfach deshalb, weil der schon in den oben verlinkten Angeboten mit enthalten ist! –

Man benötigt keine Freischaltung bei BMW, kein Codieren und das Steuergerät von Jäger soll wohl die wenigsten Probleme machen.

Soviel zum Vorgeplänkel, jetzt geht es los. Tatsächlich ist die Geschichte einfacher als man denkt. Am meisten Angst hatte ich vor dem kompletten Abbau der hinteren Stoßstange, dem Sägen eines Ausschnitts an der Unterseite der Stoßstange und dem Einspeisen über den CAN-BUS. Zu Unrecht, wie sich zum Glück herausstellen sollte.

Beginnen wir mit Schritt 1 (macht Sinn!). Wir suchen unser Werkzeug zusammen, als da wäre: Steckschlüsselkasten, Ring- oder Gabelschlüssel, ein paar Schraubendreher, ein kleines Bit-Set, eine Stichsäge, ein Sägeblatt für Kunststoff (ich hatte nur eines für Hartholz – ging auch einwandfrei), zwei Böcke oder Kisten o.ä. und eine Decke, damit man die Stoßstange weich ablegen kann, außerdem ein Lineal, einen Stift, der auf Plastik hält und ein Messer. Für die Elektrik braucht man – je nach E-Satz – Zangen, Isolierband, Kabelbinder.

Als erstes müssen die Leisten unter den Rücklichtern weg. Diese sind nur gesteckt und lassen sich am einfachsten bei geöffneter Heckklappe von innen nach außen weghebeln. Ich habe dazu einen Lappen um einen flachen, breiten Schraubenzieher gelegt und damit gehebelt – so bleiben Kratzer aus.

Schritt 1: Leisten unter den Rücklichtern entfernen

Schritt 2: Leisten von innen nach aussen abhebeln

Die vier Muttern pro Seite entfernen.

Schritt 3: Muttern unter den Leisten lösen

Nun muss die Stoßstangenleiste darunter entfernt werden (wenn ihr Glück habt, besitzt euer Auto in dieser Leiste Parksensoren – PDC. Glück deshalb, weil dann auch schon der CAN-BUS im Kofferraum liegt und später nicht unter dem Handschuhfach abgegriffen werden muss). Es müssen zuerst die zwei Eckleisten nach außen gehebelt werden – ebenfalls mit Schrauberzieher und Lappen.

Schritt 4: PDC-Eckleisten nach außen drücken

Sind die Eckleisten weg, kann die mittlere Leiste (mit den Sensoren) ein Stück nach hinten gehebelt..

Schritt 5: PDC-Leiste abbauen

..und die Kabel der PDC-Sensoren abgesteckt werden. Man hält die Leiste dann in der Hand. Sollten die Sensoren bei euch spinnen oder gar nicht mehr funktionieren, ist dies eine gute Gelegenheit, diese zu tauschen, da vier neue mittlerweile unter 100€ kosten (hier). Unter der Leiste werden 4 Muttern sichtbar, die ebenfalls entfernt werden müssen.

Schritt 6: PDC-Leiste abbauen

Nun müssen im Radhaus rechts und links jeweils die drei markierten Schrauben entfernt werden.

Schritt 7: Stoßstange im Radhaus lösen

Eine der Schrauben ist nicht horizontal, sondern vertikal verschraubt und wenn man nicht weiß, dass es je 3 Schrauben sind, zerrt man erst mal eine ganze Weile an der Stoßstange, ohne dass sich etwas tut.. für den Zusammenbau später wichtig, falls die Schrauben nicht sauber beschriftet werden: Die Schraube oben ist länger als die zwei unteren!

Schritt 8: Stoßstange im Radhaus lösen

Nach dem Lösen der Schrauben, kann die Stoßstange links und rechts nach außen gezogen werden (nicht sonderlich stark, nur soweit, dass sie aus der Führung ausklinkt). Die Markierung zeigt, wo die Stoßstange seitlich „einrastet“.

Schritt 9: Stoßstange abnehmen

Jetzt noch die untere Zierleiste entfernen (ebenfalls nur gesteckt) und die Inbus-Schrauben darunter lösen.

Schritt 10: Stoßstange abnehmen

Die Stoßstange vorsichtig nach hinten ziehen (am besten zu zweit) und den Stecker für den PDC-Kabelbaum auf der Beifahrerseite abstecken.

Schritt 11: Prallelement aus Schaumstoff abnehmen

Hat man den Stoßabsorber aus Schaumstoff abgenommen, kann man die insgesamt 6 Muttern und damit das Alu-Prallelement lösen (Achtung: die Muttern sind durch Verpressen gesichert – man kann sie zwar relativ einfach lösen, sie werden dabei aber schweineheiß!).

Schritt 12: Prallelement aus Aluminium abschrauben

Blau umkringelt sieht man im unteren Bild den Ausschnitt, den man nun mit der Stichsäge aussägen darf. Leider hab ich hier kein Detailbild gemacht, hier sieht man aber die Maße, wobei die gestrichelte Linie genau die Mitte darstellt und der Ausschnitt links die Seite des Auspuffs ist:

20131111-210148.jpg

Wo der Platz schon mal da ist, kann man die Auspuffklappe des zweiten Endtopfes auch gleich mit einem Draht in Offen-Stellung fixieren. Dadurch wird der Klang ein bisschen satter und das Katzenbaby, das darin gelebt hatte, kam endlich frei (grün umkringelt).

Schritt 13: Anhängerkupplung anbauen

So, nun geht es an die Verkleidung, die überwiegend gesteckt ist. Der Zurrhaken rechts muss ebenfalls raus und dieser ist mit zwei Schrauben, die sich unter einer kleinen Klappe verbergen, mit der Karosse verschraubt (auf dem Bild ist er schon ausgebaut).

Schritt 14: Kofferraum-Verkleidung rechts ausbauen

Danach den Wagenheber heraus- und die Batterieabdeckung abnehmen.

Schritt 15: Wagenheber und Batterieabdeckung

Die Verkabelung wird von außen durch das im Bild sichtbare Loch auf der rechten Seite geführt und kommt direkt hinter der Batterie wieder zum Vorschein. Blau markiert ist die Unterdruckdose, die den Klappenauspuff steuert.

Schritt 16: E-Satz einbauen und anschließen

Das Steuergerät findet seinen Platz neben dem PDC-Steuergerät im original Kunststoffhalter.

Schritt 17: Steuergerät einbauen und anschließen

Wie eingangs erwähnt, kann man sich glücklich schätzen, wenn der CAN-BUS schon im Kofferraum liegt. Bei mir der Fall, musste ich lediglich die Kabel trennen (braun und grün) und konnte den Bus dort abgreifen.

Schritt 18: Steuergerät an den CAN-BUS anschließen

Danach der Zusammenbau, der zwar noch mal mindestens genau so lange dauert, aber keine neuen Bilder hervorbringt. Nach insgesamt rund 2,5 bis 3 Stunden (gemütlicher) Arbeit funktioniert alles, wie gewollt. Und auch wenn es dazu kein Bild gibt: Mit abgenommenem Haken sieht man nicht, dass der Wagen eine AHK hat. Genau so, wie ich das wollte!

Schritt 19: Stoßstange wieder anbauen

Schritt 20: Stoßstange wieder anbauen

 

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9 Antworten

  1. Jo sagt:

    Hallo
    ich habe mir jetzt auch eine Anhängerkupplung dran gemacht ;-)
    so jetzt kommt es ich weiss nicht ganz wie das geht mit der Elektrik ;-(
    also hier steht es sind zwei kabeln eine Grün und eine brauch ok alles schon und gut aber mit 2 Kalben ist ja nicht alles angeschlossen kanst du mir genau sagen wo und Welche kabeln ich an klemmen muss ??? wenn möglich mit Bild das wäre super Danke in voraus !
    mfg

    • Simon sagt:

      Hallo – sorry für die späte Antwort, erst gerade gesehen, dass da ein Kommentar ist. Bei meiner Anhängerkupplung war ein Steuergerät dabei, an das man neben dem Bus und Plus/Masse nichts mehr sonst anschließen musste, soweit ich mich erinnere.

  2. H. Anders sagt:

    Hallo!
    Danke für die schöne, bebilderte Anleitung zum Einbau einer Anhängerkupplung.
    Könnten Sie mir bitte sagen, welche AHK von welchem Hersteller das ist?
    Danke und viele Grüße,
    H. Anders

  3. Max sagt:

    Hallo.
    Sehr schöne Anleitung.

    Bei mir musste ich aber an der Rückleuchte noch zusätzlich 2 Kabel mit abgreifen.
    Ansonste. So ähnlich.

    Kurze Frage noch: ist es egal an welchem Pluspol ich gehe.
    Ist aus der Zeichnung leider nicht ganz erkennbar….

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