India wins the finales: Sri Lankan people disappointed

Mann, das tut mir echt leid, dass das Internet hier so spärlich vorhanden ist und ihr jetzt seitenweise Blog lesen müsst.. aber ich kann’s nicht ändern, der Schreibzwang nimmt keine Rücksicht auf die Daheimgebliebenen.. sorry! Sorry auch dafür, wenn hier keine Bilder drin sein sollten. Irgendwie ist das hier sooo lahm, dass ich noch nicht weiß, ob ich die hinzufügen kann. Ihr seht es ja dann, ob welche drin sind.. wenn nicht, liefere ich die später nach, wenn es irgendwo mal was schnelleres gibt..

„Da ist obenrum grad nicht viel los!“ und „Wir haben aktuell ein Langsamkeitsproblem.“ sind die zwei Kernaussagen, die mir von hochgeschätzten Kollegen – vermutlich ungewollt – mit auf den Weg gegeben wurden. Nur das zweite stimmte beim Adam’s Peak. Das erste passt erst, wenn man es ins Gegenteil kehrt. Obenrum ist da nämlich ziemlich viel los.

Adams Peak - sponsored by..?

Wir schreiben Dienstag, den 5. April 2011. Und wir schreiben das mal wieder offline und dieses Mal gibt’s auch gerade nur den Akku – mal wieder Stromausfall, was sich bedenklich auf die Temperatur der käuflich zu erwerbenden Getränke auswirkt. Aber immerhin schreibe ich von der luftigen Terrasse des Hill Top Hotels in Ella. Und wenn Hill Top etwas verspricht, dann einen grandiosen Ausblick, welcher nicht darüber hinwegtäuschen kann, dass Ella ein Winzkaff in der Mitte Sri Lankas ist (wer 20 Sekunden Zeit mitgebracht hat, kann sich mal den riesigen Wikipedia-Eintrag dazu durchlesen). Außer Tee gibt’s hier nicht viel. Morgen soll es endlich in Richtung Süden und damit an den Strand gehen. Leider wieder per Bus – und ich hasse Busfahren hier. Und Zugfahren eigentlich auch, was aber immer noch tausendmal besser ist, als Busfahren. Doch von Anfang an. Hätte ich direkt live während der Ereignisse der letzten drei Tage mitgeschrieben, würde manch einer sicherlich erschrecken, wie hasserfüllt ein einziger Mensch sein kann. Da ich nun aber im Moment wieder ein bisschen bessere Laune hab‘ – satt bin, Zigratten hab‘, hier ein relativ kühles Wasser steht und ich fast wieder mit Sri Lanka versöhnt bin, sollte ich das einigermaßen freundlich hinbekommen.

Wir haben unser Guesthouse in Kandy fast planmäßig um 9:30 Uhr am Samstagmorgen verlassen und wurden nach zähen Preisverhandlungen mit dem Tuktuk-Fahrer auch am Busbahnhof rausgeworfen, wo wir wieder mal auf Grit warten wollten. Die kam tatsächlich auch irgendwann und es grenzt ein wenig an ein Wunder, dass wir uns zwischen den Bussen, Bettlern, Mönchen, Verkäufern, Neppern, Trickbetrügern und normalen Menschen auch noch gefunden haben, ohne das irgendein Gepäckstück abhanden gekommen ist oder sonst irgendetwas gestohlen wurde. Das sollte erst am Tag darauf passieren :). Der passende Bus nach Dalhousie, dem Quasi-Basislager für Aufstiege zum heiligsten Berg – dem Adam’s Peak – war schnell gefunden und wir zahlten zähneknirschend den Hammerbetrag von 75 Rupees (50 Cent) für die bevorstehende 3-Stunden Fahrt. Der Preis bürgt schon für die Qualität der Reise. Man glaubt gar nicht, wie viele Leute auf einmal in einen Bus passen. Die Anzahl der vorhandenen Sitzplätze stellt nur eine grobe Richtzahl dar, tatsächlich gehen da so viel Leute rein, wie gerne mitfahren wollen. Vorweg muss man sagen, dass die Menschen, die im Bus fahren, in keinster Weise mit den Idioten der Stadt vergleichbar sind. Im Bus sind wirklich nur nette Menschen, nur halt sehr sehr viele nette Menschen auf einer sehr sehr kleinen Fläche, die sich alle unglaublich für uns interessieren. Zum Glück ergattern wir Sitzplätze, in dem wir gekonnt den alten Mann zur Seite wegschubsen und so gerade noch vor der Hochschwangeren unsere Rucksäcke auf den Sitz werfen können! .. Natürlich haben wir das nicht gemacht und ich wäre tatsächlich sogar aufgestanden, als eine Mutter mit Baby zur Tür hereinkam – aber die Schulkinder hier sind gnadenlos geil erzogen und es dauert keine 3 Sekunden, bis ein Junge in der Reihe vor mir aufspringt, um der Mutter Platz zu machen. Gerade noch rechtzeitig, bevor das über die Schulter der Mutter gehaltene Kind sich voller glucksender Freude übergibt :). Aber hat mich nicht erwischt – ha! Und es hat nur nach leckerem Apfelsaft gerochen – noch mal ha!

Die 3 Stunden vergingen wie im Fluge.. NICHT! Das Baby sollte nicht der einzige kotzende Passagier bleiben und leider stellte sich auch – allerdings schon vor Beginn der Fahrt – heraus, dass der Direktbus nach Dalhousie einfach nicht existiert. Dalhousie spricht man übrigens, weiß der Geier warum, Dalhouse aus. Und der Geier weiß sicherlich auch, warum niemand, den man nach DalhousIE fragt, auf die Idee kommt, man könne Dalhouse meinen.. soo übel ist mein Englisch doch gar nicht, oder? Was den Direktbus anging hat man uns wohl mal wieder angelogen oder zumindest nicht die volle Wahrheit erzählt. 2x Umsteigen heißt das Zauberwort. Doch der Nettigkeit der Menschen ist es zu Verdanken, dass wir die Umsteigestellen und die anderen Busse gar nicht verpassen können. Und auch zum Verstauen unserer Rucksäcke werden teilweise unmögliche Fahrpositionen eingenommen, da die Busse fast gänzlich auf Personen- und kaum auf Gepäcktransport ausgelegt sind. Nach insgesamt etwa 6 Stunden und mit völlig fertigen Nerven kommen wir in Dalhousie an (lässt man Grit mal außen vor. Als alter Indiendauergast genießt sie die ‚wenigen‘ Menschen – es sitzt ja keiner auf dem Dach, deshalb kann der Bus ja noch nicht sooo voll sein – und schläft die Fahrt über seelenruhig. Zur Seite wegkippen kann sie nicht, da sie mit fünf anderen in einer Reihe sitzt, die sie quasi festklemmen). Wir machen uns mit vollem Gepäck erst mal auf die Suche nach einer Unterkunft und nehmen nicht die erste („zu teuer“) und auch nicht die zweite („keine Fenster“) am Wegesrand, die dritte schauen wir gar nicht an. Die vierte und fünfte soll es auch nicht sein. Nein, wir nehmen die von der Bushaltestelle am weitestmöglich entfernteste und am höchsten gelegene (hatte ich erwähnt, dass wir das ganze Gepäck auf dem Buckel hatten und es recht warm war?). Schlimmer, als mit einer Frau zu reisen: Mit zwei Frauen reisen.

auf dem (halben) Rückweg noch mal der Blick zum Gipfel...

Auf dem Weg werden wir dieses Mal wenigstens nicht sehr oft angesprochen, da sich wirklich jeder irgendwo einen kleinen Fernseher in der Ecke gesucht hat und das Cricketfinale gegen Indien anschaut. Die letzte Unterkunft im Ort zeichnet sich durch dreckige Decken, winzige Zimmer, ein Klo (eines für alle Zimmer) Schrägstrich Dusche, herausragendes Essen (keine Ironie!) und eine sehr nette Besitzerin aus. Leider lügt sie uns genauso an, wie die meisten anderen auch, da sie meint, dass das warme Wasser wohl gerade ausgefallen sei und der Elektriker noch nicht dagewesen wäre. Warmes Wasser ist in dieser Dusche aber definitiv nicht möglich – mein Gartenschlauchanschluss ist da hochtechnisierter. Das dreckige Bett hat für die paar Stunden gereicht. Um 2:00 Uhr war die Nacht nämlich wieder rum. Spätestens um 2:30 Uhr sollte man den Aufstieg beginnen, um die 7km (und 5200 Stufen) bis zum Gipfel pünktlich zum Sonnenaufgang gepackt zu haben. An Schlaf war leider in keinster Weise zu denken, da das Cricketfinale zwischen Sri Lanka und Indien über den Dorflautsprecher so laut kommentiert wurde, dass es in unserem Zimmer (Luftlinie bestimmt 2km entfernt) so zu hören war, als würde der Kommentator neben unserem Bett sitzen. Zusätzlich wurde jede gute Aktion Sri Lankas mit – in Deutschland bestimmt und hoffentlich illegalen – Böllern kommentiert. Verloren haben sie trotzdem, wie wir in der Nacht dann erfuhren.

Aufstieg in fast völliger Dunkelheit zum heiligsten Berg. Am Gipfel wurde ein Tempel errichtet, da dort Adam seinen Fuß auf die Erde gesetzt haben soll, nach dem er wegen der Schlangen- und Apfelgeschichte, in die Eva bös‘ verwickelt war, aus dem Paradies geflogen ist. Weder Äpfel noch Schlangen (zum Glück.. „da! Ein Apfel! Nicht bewegen, dann sieht er dich nicht!“) hab‘ ich hier bisher gesehen, aber dafür immerhin eine Eva kennengelernt. Wenn ich so drüber nachdenke, kann das Babyerbrochene aus dem Bus dann gar nicht nach Apfelsaft gerochen haben.. wird wohl so eine Art Selbstschutz gewesen sein.. Komischerweise ist der Berg auch für Buddhisten und Hindus heilig. Was die wiederum mit Adam zu schaffen haben, weiß ich nicht. Das weiß vermutlich auch nur wieder der schon erwähnte Geier. Es wird doch am Ende nicht alles auf den selben Typ zurückzuführen sein?

Im Gipfeltempel soll eine Glocke hängen, die man leuten und sich dabei was wünschen kann – was dann natürlich in Erfüllung geht. Die ganze schlaflose Nacht und fast den ganzen Aufstieg über mache ich mir Gedanken, was denn der passende Wunsch wäre. Weltfrieden? Reichtum? Macht? Je länger der Aufstieg andauert, desto weniger groß werden die Wünsche. Ein kalter Schluck Wasser? Nachlassender Schmerz in den Knien? Eine Zigarette? Auf dem gesamten Berg ist Rauchverbot.

Sunrise @ Adam's Peak

Der Aufstieg dauert länger als gedacht und ich lerne wieder mal Demut, nach dem ich davor dachte, dass 5200 Stufen zwar viel, aber nicht zu viel sind. Und man merkt dann sehr schnell, dass es definitiv viel zu viele Stufen sind, wenn es schwer wird, zwei in Abstand, Höhe und Beschaffenheit relativ identische zu finden. Aber man darf sich den Schmerz nicht anmerken lassen, da hier vom Kleinkind bis zur Hundertjährigen alle fleißig unterwegs sind – egal, wie lange es dauert. Und gerade gegen Ende (will sagen, die letzten 2000 Stufen) gibt es ganz fürchterliche Staus, weil die Pilgerzahl zu hoch und die Treppen zu eng werden. Und dass die Hundertjährigen sich nach jeder Stufe kurz erholen müssen, ist klar und man kann ihnen das schlecht verwehren. Das hindert aber die anderen Pilger hinter mir nicht, bis auf Null Zentimeter aufzuschließen und sich mit dem ganzen Körper an mich zu kuscheln..

Wie dem auch sei, irgendwann kommen wir am Gipfel an und es bleiben noch gute eineinhalb Stunden bis zum Sonnenaufgang (ca. 6:30 Uhr), dem wir vor Kälte zitternd entgegensehnen. Wir sind deutlich vor Grit da, obwohl ihr durch Joga gestählter Körper schon von Anfang an vor uns hersprang als gäbe es kein Morgen und schließlich gar nicht mehr zu sehen war. Frei (sehr frei) nach dem Hase-und-Igel-Prinzip haben wir sie unbewusst irgendwann wohl überholt, treffen uns aber wieder. Als gute Touristen springen wir natürlich erst mal über die Balustrade auf’s Dach, versperren so locker 50 ‚richtigen‘ Pilgern den Blick auf den bevorstehenden Sonnenaufgang, haben aber selbst erste Reihe Plätze. Bis uns ein sehr unsympathischer und gewaltbereiter Cop klar macht, dass wir besser wieder hinter die Absperrung zurück sollten, wenn wir am Leben bleiben wollten. Ich dachte immer, die Tempelwächter wären ein friedliches Volk..

Ein spirituelles Erleben der ganzen Pilgerreise bleibt bis auf ein kleines Zeichen (das ich noch nicht verstehe) aus und so machen wir uns recht niedergeschlagen auf den Rückweg. 5200 Stufen nach unten. Jede Stufe schmerzt und ich überlege nicht nur einmal, mich einfach fallen zu lassen. Auch jetzt, zwei Tage später, schmerzen die Beine schon im Sitzen und an Steigungen denke ich, die Knie würden nach hinten durchbrechen. Zu allem Überdruss wurden beim Aufstieg noch das Handy von Grit und der Geldbeutel eines Engländer, der auch bei uns im Hostel war, geklaut. Wobei Grit ja noch mehr als ich an das Gute im Menschen glaubt und anfänglich denkt, sie habe es verloren.. genau so wie sie glaubt, sie habe zuvor in Negombo ihren iPod verloren.. Nach Stunden kommen wir endlich im Tal an und lassen uns von den fliegenden Händlern erneut zutexten.

Sri Lankan Train

Zurück im Hostel gibt es erst mal Frühstück und Pläne werden geschmiedet, wie wir ohne funktionierende Beine weiterkommen sollten. Wieder mit dem Bus, zurück nach Hatton, wo wir am Tag zuvor umgestiegen waren. Von dort soll es einen Zug geben, der die Strecke bis nach Ella in nur 5 Stunden oder so überwinden kann. Noch mal zur Erinnerung (vielleicht habe ich es auch noch gar nicht erwähnt): Sri Lanka ist in etwa so groß wie Bayern und ich bezweifle ernsthaft, dass man da von einem in den anderen Ort 5 Stunden brauchen kann. Gesagt, getan. Ab zur Bushaltestelle und los geht die wilde Fahrt bis nach Hatton – wieder kein direkter Bus, aber nur einmal umsteigen und wieder äußerst nette Menschen. In Hatton dann zu Fuß von der Bushaltestelle zum Bahnhof, was aber relativ schnell ging. Erste Klasse Tickets gibt es keine zu erwerben, wir sollen die der 2. Klasse kaufen und dann direkt im Zug versuchen, ein Upgrade durchzuführen. Aber 750 Rupees sind mal wieder zu teuer (5 Euro..) und wir bleiben in der 2. Klasse (160 Rupees, also ein bisschen mehr, als ein Euro). Während der Wartezeit besorgt sich Grit irgendwo her ein ’neues‘ Handy inklusive Sri-Lanka-Telefonnummer und ich besorge mir eine Kokosnuss am Bahnhofskiosk für 50 Rupien. Kippen haben sie keine, aber Kokosnüsse.. Da nur gutbetuchte Singhalesen und Touristen zweite Klasse fahren (es gibt noch die dritte Klasse, die ein wenig voller ist), bekommen wir sogar Sitzplätze und die Fahrt wird recht angenehm, wenn auch ziemlich kalt. Meine Jacke hab‘ ich nach dem Aufstieg am Morgen ganz nach unten in den Rucksack gepackt und dabei gedacht: Mach’s gut, dich brauche ich frühestens wieder in Frankfurt! Mann, hätte ich mir die Jacke gewünscht.. Wir fünf (neue Mitreisende seit Adam’s Peak: Eva aus München und Romain – deutschsprechender Franzose – aus Regensburg) sind so ziemlich die einzigen, die in Ella schließlich aussteigen, um sofort von der ansässigen Tuktuk-Fahrergilde umworben zu werden. Jeder hat sein spezielles Hostel, in das er uns bringen kann, da im Moment Hochsaison sei und sonst alles belegt ist. Wir entscheiden uns mal wieder gegen fremde Ideen und gehen in eben das Hill Top Hotel, von dessen Terrasse aus ich nun schreibe. Wir sind an dem Abend die einzigen Gäste – so viel zu Thema Hochsaison.. mal wieder angelogen worden.. Der Abend klingt in einer lokalen Bar mit landesuntypischem Cheeseburger und landestypischen, und sehr kaltem Lion Lager aus.

"..und nehmt auf jeden Fall immer alles von Fremden, was sie euch geben, Kinder!"

Am Montag war der Plan dann, die schmerzenden Beine zumindest ein bisschen zu bewegen, was bedeutete, dass es zu einer Teefabrik in der Nähe gehen sollte. Dazu nimmt man einfach einen Bus in Richtung des nächsten Dorfes und sagt dem Fahrer, dass man an der Kreuzung aussteigen möchte. Dort winkt man nach einem anderen Bus und diesem Fahrer sagt man dann, dass man beim Kilometerstein 27 aussteigen möchte. Dann läuft man noch 2 oder 3 Kilometer der Berg rauf (herrlich, wie sich die Beine freuen) und schwups ist man bei der Teefabrik! Schwierig, lohnt sich aber und man bekommt a la Sendung mit der Maus erklärt, wie Tee hergestellt wird. Ich dachte immer, die Blätter werden einfach getrocknet, zerkleinert und fertig .. und genau so ist es auch :). War aber wirklich interessant und wieder sehr nette Menschen, die wir getroffen haben. Zurückwandern, zwei Busse (je Fahrt übrigens umgerechnet 7 Cent!), dieses Mal mit Stehplätzen und wieder zurück in Ella. Tag wieder ausklingen lassen – immerhin gibt’s hier fast überall Wifi (wobei an JEDER kleinen Bude ein Schild mit ‚free Wifi‘ hängt, auch, wenn sie gar keines haben – damit lassen sich halt Touristen locken). Nur nicht bei uns im Hotel.. und im Dorf unten ist es tagsüber auch meist ausgefallen, weil es ja keinen Strom und damit auch kein Wifi gibt. Über das Stromnetz hier muss ich mich glaub‘ mal in einem extra Post auslassen.. und über das Wasser hier. Aber nicht mehr heute. Ich habe ja die Hoffnung, dass mir im Surferparadies an der Südküste Zeit zum Langweiligsein bleibt. Dann schreibe ich das mal. Oder ich lese mal eines der drei Bücher, die ich mitschleppe und jedes Mal beim Packen auf’s neue verfluche.

Die Glocke am Gipfel habe ich übrigens nicht geleutet. Aber ich kenne nun immerhin den Wunsch sicher.

(Nachtrag Mittwoch: Nach der bisher schlimmsten Busfahrt meines Lebens – 4 von 5,5 Stunden Stehplatz zwischen lauter.. naja, Menschen halt.. – ist zum einen die Versöhnung mit Sri Lanka so im *rsch, dass ich mir schon einen Brief an mein Zukunfts-Ich geschrieben habe, um mich daran zu erinnern, warum ich nie nie wieder hierher möchte und zum anderen sind wir in Mirissa an der Südküste angekommen. Wieder kein Wifi, dieses Mal aber zusätzlich auch kein Handynetz.. Morgen mal schauen, ob es hier ein Internetcafe gibt. Ich glaub, an der Hauptstraße, gegenüber von dem Mischlingskadaver war ein Schild. Mann, mann. ‚Ich.. liebe.. Deutscheland!‘)

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Donnerstag, der 7. April 2011. Der tote Hund, dem gegenüber ich ein Internetcafe vermutete, kam mir heute wieder entgegengelaufen.. meines Erachtens noch immer halb verwest und mit Kopfwunde. Vielleicht haben die hier irgendwelche Voodoo-Möglichkeiten, um ihren ‚geliebten‘ Haustieren zu neuem Antrieb zu verhelfen. Mir ist – wie angekündigt – tatsächlich langweilig. Mit dem Internet hapert es nicht nur auf der WLAN- sondern auch auf der kabelgebundenen Seite. Ein einziges Wifi konnte ich im Ort finden, als ich mich auf Warwalking-Tour gemacht hab. Das ist aber WPA2-verschlüsselt und ich bin ein wenig chancenlos. Aber selbst, wenn es ein offenes wäre, reden wir immer noch von einer übelst befahrenen Hauptstraße ohne Schatten, auf der ich mich befinde und da ist nicht daran zu denken, das Notebook auszupacken.

Laut Lonely Planet soll es irgendwo beim Kilometerstein 194 einen Internetzugang geben. Den Stein habe ich aber noch nicht gefunden und es macht auch wirklich keinerlei Spaß, die Straße danach abzusuchen. Ich habe mir angewöhnt, den Straßenrand beim Gehen überhaupt nicht zu beachten und nur auf meine Schritte zu schauen, wieder mal als Selbstschutz. Der ständige Verwesungsgeruch in der Nase reicht einem durchschnittlich kreativen Menschen komplett aus, um sich das passende Tier und den passenden Verwesungsgrad bildlich vorzustellen. Dafür ist das Meer hier überraschend sauber und wenn man beim Schreiben den Blick auf dieses genießen kann UND durch einen Zufall grad ‚Gimme Shelter‘ von den Stones auf dem Laptop gefunden hat, lässt es sich erst mal ganz gut aushalten. Außerdem weicht mir mein persönlicher Concierge hier nicht mehr von der Seite – wenigstens hat er zu labern aufgehört, seit ich die Kopfhörer auf habe. Er hat mich gestern zur Seite genommen und mir mit tiefem Blick in die Augen mal wieder gesagt, dass er mir ’not everything – but NEARLY everything‘ organisieren kann. Und Whale Watching war so ziemlich das einzige, was legal war. Er hält sich glaub‘ für ein absolutes Organisationstalent und er denkt offensichtlich, dass er mit mir an seiner Seite schnell reich wird. Er war traumhaft sichtbar enttäuscht, als ich meinte, dass er mir erst mal schön ein kaltes Bier organisieren könne – aber er hat’s gemacht :).

Zur gestrigen Busfahrt würde ich ganz gern noch etwas schreiben, aber scheinbar habe ich bereits jetzt große Teile davon verdrängt. Wird besser so sein. Was mir schon die letzten Tage ständig durch den Kopf geht: Warum sparen wir hier in einem Land, wo ein Taxi für die 5,5-Stundenstrecke 30 Euro kostet (und das Taxi die Strecke in 3 Stunden zurücklegt). Klar kostet der Bus 1-Euro-irgendwas, aber allein die Kalorien, die ich dabei verbrannt habe, mich irgendwie festzuhalten und die ich nun wieder auffüllen muss, werden mich teurer kommen. Da fahre ich doch lieber in Deutschland einmal Bus statt Auto und spare da, wo sich sparen lohnt. Die weitere Strecke wieder hoch nach Colombo werde ich ziemlich sicher nicht mit einem Bus zurücklegen – was kann ich denn dafür, wenn eine ‚Ich gebe in Indien nie mehr als 300 Euro im Monat aus‘-Frau mitreist? Da nehme ich mir eher noch ein Tuktuk. Neu kosten die Dinger nämlich 25.000 Rupien = keine 200 Euro. Würde ich mich hier fahren trauen, wäre das die perfekte Lösung. Am Ende der Reise schmeißt man das Ding dann einfach zum anderen Müll ins Meer.. oder man tut noch was Gutes und schenkt es einem Bettler (‚Sir, do you have 10 rupees, please?‘ – ‚No.. but have fun with your new tuktuk!‘).

Selbst fahren käme hier niemals in Frage. Eigentlich kommt Busfahren auch nicht in Frage.. und an der Straße stehen, wenn ein Bus vorbeifährt, auch nicht. Busse überholen hier ständig, unbeeindruckt vom Rest auf der Straße und von der Beschaffenheit oder Kurvenführung dieser. Der Bus überholt ein Taxi, welches ein Tuktuk schneidet, das gerade am Überholen eines Radfahrers ist, der sich im gleichen Moment um einen Fußgänger schlängelt. Und der Gegenverkehr sieht nicht viel angenehmer aus. So kommt es auch, dass es etwa alle 5 Minuten aus irgendeinem Grund halt doch nicht mehr zum Überholen reicht und eine Vollbremsung durchgeführt werden muss. Das hat zur Folge, dass alle mit Sitzplatz mit den Zähnen gegen die Metallstange in der Rücklehne des Vordermanns knallen und alle mit Stehplatz einen halben Meter nach vorn geschoben werden und sich jetzt eng aneinanderkuscheln. Alle 5 Minuten. Und alle 5 Minuten muss ich als misstrauischer Mensch dann meine Taschen auf den Inhalt prüfen – die 1000 Rupien, die ich dort aufbewahre, sind nicht das Problem, eher das 100000 Rupien iPhone. Mein Tipp: Hosen mit Reißverschlußtaschen – um sicherzugehen, dass ich das nicht mehr vergesse, habe ich heute die dämliche Hose weggeworfen. Ich wollte sie gern einem Bettler schenken, aber ich bin mir nicht sicher, ob das nicht allzu arrogant rüberkommt, wenn ich eine gebrauchte, dreckige und verschwitzte Hose verschenke. Eines haben die Bettler nämlich mit denen in Deutschland gemein: Wenn sie Geld für Essen haben wollen und man ihnen dann stattdessen tatsächlich etwas zu essen gibt, finden sie das überhaupt nicht witzig..

Essen ist ein tolles Stichwort! Jetzt erst mal was zu essen finden, was nicht aus dem Meer kommt (und das ist hier am Strand recht schwer) und danach entweder den Kilometerstein 194 suchen oder das Tuktuk ins nächste Dorf, Weligama, nehmen. Vielleicht gibt es dort ja Internet oder einen Supermarkt.

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Freitag, der 8. April 2011. Was zu essen habe ich gefunden – Omelette Sri Lankan Style. So scharf, dass man es eher als Hundeabwehr anstatt als Gericht verkaufen sollte. Wenn man aber nicht kaut und nur schluckt, kann man es essen und es macht auch satt! Gestern Abend hab‘ ich dank Grit wirklich auch noch ein Wifi ganz in der Nähe gefunden (vielleicht 2km den Strand entlang). Natürlich war die Verbindung wieder mal nach einer Stunde weg. Zuerst Stromausfall und als dieser dann wieder da war, wurde die Verbindung nicht mehr aufgebaut. Wieder mal weiß ich NICHTS aus Japan, Lybien oder dem grünen BaWü. Nach dem ich jetzt aber grade gefrühstückt habe, werde ich mal mein Laptop in den Rucksack werfen und noch mal dort hin wandern, wobei es jetzt um 9:30 Uhr schon übertrieben heiß ist und ich im Moment mein vorletztes T-Shirt anhabe.. denkbar schlechte Voraussetzungen zum Wandern und denkbar schlechte Voraussetzungen für die Shirtabwechslung der verbleibenden 6 Tage. Ich kann es natürlich auch wie die anderen Deutschen und Engländer hier machen und ganz auf Oberbekleidung verzichten.. das machen die Einheimischen ja auch, nur bei denen sieht es einfach auch so aus, als könnten sie sich das erlauben – bei den Deutschen und Engländern sieht es eher so aus, als wolle man die Rangfolge unter den Rotrückenmännchen festlegen.

Zuvor muss ich jetzt aber sowieso erst mal schauen, wie ich das Macbook wieder frei von Ameisen bekomme. Aus welchem Grund auch immer (mal wieder den Geier fragen..) steckte nämlich heute Morgen ein Stück Karamel im USB-Port. Ich besitze aber gar nichts aus Karamel.. Egal, warum es da drin steckte, es hat auf jeden Fall winzige Ameisen dazu animiert, ihr Basislager im Macbook zu errichten. Während ich tippe, habe ich bestimmt schon 100 der Biester weggeblasen und sie kommen immer noch aus den Lüftungsschlitzen. Der CPU-Temperaturfühler sagt im Moment 47 Grad Celsius – mal schauen, ab welcher Temperatur das große Krabbeln losgeht und alles auf einmal flüchtet.

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