Reisebericht Malta (2009 auf 2010)

Malta - Valletta

Malta ist eine Reise wert – definitiv. Ob es gleich 9 Tage sein müssen, darüber kann man vermutlich streiten. Im Sommer kann man sich die Zeit bestimmt durch eingelegte „Strandtage“ vertreiben, im Winter fällt das wohl eher flach. Fairerweise muss man aber sagen, dass auch die Reise im Winter und, wie bei uns, über Silvester, durchaus lohnt, denn das Wetter ist quasi durchgehend so, dass man in sommerlicher Kleidung durch die geschichtsträchtigen Orte schlendern kann.

Steinhaus an der Gnejna Bay

Lediglich abends oder auf abgelegenen, windigen Klippen wird es ein bisschen frischer. Das Wasser ist nur unwesentlich kühler als die Aussentemperatur, an ausgiebiges Baden ist aber meiner Meinung nach nicht zu denken.

Wer wie ich denkt, man könne die touristenfreie Zeit nutzen, um sein Surfkönnen unbeobachtet zu verbessern, der merkt recht schnell, dass es an etwas Essentiellem fehlt: den Wellen. Trotz intensiver Suche konnte ich keinerlei Wellen beobachten – dementsprechend gibt es natürlich auch nirgendwo einen Stand, an dem man sich ein Board leihen könnte. Ein paar (wenige) Windsurfer konnten wir entdecken (wenn ich genau nachdenke, war es nur einer) und Kitesurfen sollte auch möglich sein. Auch Inselflair darf man nicht erwarten – das wussten wir aber schon. Es gibt tatsächlich eine Hand voll schöner Strände, an denen das kristallklare Wasser über Sand plätschert, meist aber trifft man auf steile Klippen, Felsen und – am häufigsten – Häfen.

Malta - Mellieha Bay

Gezeiten gibt es auf Malta im Prinzip nicht – auch das vermutlich ein Grund, warum es kaum Wellen gibt. Dass die Malteser auch nicht mit Wellen rechnen, sieht man daran, dass die Städte praktisch bis direkt ans Wasser gebaut werden. Da liegt die Hauptstraße vielleicht 20cm höher als die Wasseroberfläche.

Busterminal Valletta

Auf einen Mietwagen kann man auf Malta getrost verzichten. In jedes noch so abgelegene Nest fährt – normalerweise halbstündlich – einer der gelben Busse. Das 7-Tage-All-Inclusive-Ticket, das zum Nutzen aller Busse auf Malta berechtigt, kostet knappe 14 Euro – und lohnt sich. Wer nur ab und zu den Standort wechseln möchte, kommt mit einem Einzelticket eventuell besser weg. Die teuerste Fahrt, die ich aufschnappen konnte, kostete 1,16 Euro für einen Erwachsenen. Dafür kommt man dann von Valletta zum Fährterminal nach Gozo, der kleineren der beiden bewohnten Hauptinseln. Wer den Bus als Transportmittel wählt, besorgt sich als erstes die Broschüre „Malta Bus Routes“, die es in jedem Tourist Office gibt, oder man macht sich anhand dieser Karte schlau. Die Broschüre findet sich auch hier zum Download (5.8MB – PDF). Es gibt Winter- und Sommerpläne, also am besten in jedem Fall vor Ort den aktuellen Plan holen. Jeder, der einigermaßen Englisch spricht, braucht sich auf Malta keinerlei Sorgen der Verständigung machen. Die Malteser unter sich sprechen entweder nur Maltesisch oder ein witziges Misch-Masch aus Maltesisch und Englisch („Hija l-ispejjeż three euros“ = „Es kostet drei Euro“). Wird man aber angesprochen, dann immer auf Englisch. Und egal, wen man selbst anspricht – vom 20jährigen Busfahrer bis zur 80jährigen Mitfahrerin – alle sprechen britisches Englisch. Ich hatte da anfangs Bedenken, da ich eigentlich der Meinung war, dass sich nicht alle Einwohner freuen, eine Kolonie der Briten gewesen zu sein. Aber tatsächlich scheint dieses Vorurteil falsch zu sein, vielleicht auch deshalb, weil dank der Sprache wohl doch ein paar Touristen mehr kommen. Trotz der englischen Vorgeschichte ist das Essen in Malta durchweg gut – kein Vergleich zu Korsika – und auch nicht viel teurer als in Deutschland (ein kleiner Inselzuschlag ist irgendwie klar).

Sliema Strand

Malta hat den Ruf, dass es vor allem ältere Reisende anlockt – zu recht. Vielleicht lag auch dies wieder an der Winterzeit, aber die meisten Touristen waren tatsächlich im Rentenalter. Den Ruf hatten wir bereits im Vorfeld vernommen, weshalb die Wahl des richtigen Standorts – gerade für den Jahreswechsel – äußerst wichtig war. Und tatsächlich sind wir bei unseren Touren immer wieder durch Orte gekommen, die nicht gerade viele Attraktionen zu bieten hatten (wobei es generell auf Malta eigentlich nichts außer Geschichte gibt). Als Ausgangspunkt haben wir deshalb St. Julians gewählt. 10 Minuten zu Fuß in Richtung Norden und man ist in Paceville (auch „Sin City“ genannt), 10 Minuten südwärts und man befindet sich an der Strandpromenade von Sliema. Zu Silvester waren wir natürlich in der Sin City – zusammen mit der kompletten Inselbevölkerung unter 25 Jahren. Am frühen Abend ging es zunächst auf Empfehlung unseres Hotels, dem „Saint Julians Bay“, an die Valletta Waterfront. In dieser Fußgängerzone war so etwas wie ein großes Straßenfest im Gange, mit großer Hauptbühne und Moderation – dieses Mal leider auf maltesisch. Dieser Umstand und auch, dass es wenig Interessantes zu bestaunen gab, hatte zur Folge, dass wir einmal die Fußgängerzone runter und einmal rauf sind, um uns wieder in Richtung Bushaltestelle zu begeben. 30 Minuten später fanden wir uns in der Menschenmasse in Paceville wieder. Mit dem Feiern in unseren Breiten hat es aber dennoch wenig zu tun. Ganz angenehm fällt auf, dass es keinerlei Böllerei gibt, kein Feuerwerk. Das allerdings ist Punkt 0.00 Uhr sehr sehr komisch – keiner scheint zu wissen, ob jetzt schon 12 ist oder noch nicht…

Nach Comino

Um noch mal auf den Anfang zurückzukommen. 7 Tage hätten locker gereicht. Es gibt zwar sehr viel Geschichte zu studieren, sonst gibt es aber nur wenig. Ein Haufen Pubs, in die man abends gehen kann (oder auch morgens, wie viele Touristen und – meist britische – Einheimische zeigten), viele Restaurants, viele Wine-Bars, sehr viele Hotels. Richtige „Must-Seen“-Highlights gab es für mich nicht, weshalb auch meist wandern oder „nur-so“-herumlaufen anstand. Das ganze ist jedoch bei frühlingshaften Temperaturen um die 20°C immer noch deutlich angenehmer, als im kalten Deutschland zu sitzen. Zuerst hatte ich überlegt, per Fähre mit dem VW-Bus zu reisen – aufgrund der hohen Benzinkosten, bis komplett Italien und Sizilien durchquert wäre, ließ ich diesen Plan aber schnell wieder fallen. Durch die kleinen Orte hätte es mit dem Bus eh keinen Spaß gemacht und an Campingplätzen haben wir nur einen einzigen entdecken können – sowieso gab es so gut wie keine ausländischen Autokennzeichen, die einen Campingwunsch verraten hätten. Viele Mietwägen, ein paar Italiener mit eigenen Autos, ein deutsches Kennzeichen (der ingoldstädter A3 sah aber so aus, als wäre er schon lange nicht mehr benutzt worden – was die befestigte Parkkralle auch zu verhindern gewusst hätte), kein einziges Wohnmobil oder dergleichen (und bei den engen Gassen kann ich das absolut nachvollziehen).

Valletta

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